Das Zigeuner-Lager in Lety

Das „Zigeuner“-Lager in Lety wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Strafarbeitslagers errichtet. Die Lagerkapazität wurde erhöht, sodass es bis zu 600 Häftlinge fassen konnte. Jedoch wurde auch diese Zahl bald überschritten, denn im August 1942 waren mehr als 1 100 Männer, Frauen und Kinder im Lager interniert. Das Lager war nicht mit Sanitäranlagen und anderen Einrichtungen für eine so große Anzahl von Menschen ausgestattet. Darüber hinaus waren hier bis August 1942 nur Männer interniert gewesen. Ab August 1942 mussten auch Frauen und Kinder, unter absolut unzulänglichen Umständen, dort leben. Nach dem August 1942 kamen nur noch wenige Familien und Einzelpersonen neu ins Lager. Aus diesem Grund nahm die Anzahl der Häftlinge nicht zu, aber die schlechten Bedingungen im Lager blieben unverändert.

 

Eine Zeichnung des Zigeuner-Lagers in Lety u Písku, 1943. (Ill.: Museum der Roma-Kultur, original: Zentrales Staatsarchiv Prag)

In den ersten Monaten des Bestehens des Lagers wurden einige der zunächst Internierten wieder entlassen. Diese Entlassungen aus dem Lager fanden mit der Zustimmung des Generalkommandanten der nichtuniformierten Protektoratspolizei statt. Unter den Häftlingen ging das Gerücht um, dass man nach Zahlung eines Bestechungsgeldes entlassen würde. Angeblich konnte man sich eine Entlassung für 20 000 Tschechische Kronen erkaufen.

Ein anderer Weg, dem Lager zu entkommen, war die Flucht. Eine Flucht aus dem Lager selbst wurde jedoch durch Zäune und Wachhunde erschwert. Es war leichter, von einem  der entlegenen Arbeitsorte aus, an denen die Häftlinge auch übernachteten, zu entkommen. Insgesamt gab es an die 100 Fluchtversuche. Die Hälfte davon war erfolgreich.

Einer der erfolgreichen Fluchtversuche wurde von Josef Serynek unternommen, der im Herbst 1942 mit einem anderen Häftling aus dem Lager floh. Es gelang ihm bis ins böhmisch-mährische Hochland zu kommen, wo er sich den Partisanen anschloss und sowohl mit der Widerstandsgruppe von General Luža als auch sowjetischen Partisanen zusammenarbeitete. Sein Mitflüchtling wurde in der Nähe von Třeboň erschossen.

Eine Ansicht des Zigeuner-Lagers in Lety u Písku, 1942. (EÚ AV Prag, Foto: Museum der Roma-Kultur.)

Das Wachpersonal des Lagers wurde aus den Reihen der Polizei des „Protektorats Böhmen und Mähren rekrutiert“. Sie verhielten sich den Häftlingen gegenüber sehr grob und grausam. Seit 1940 stand das Lager unter der Leitung von Josef Janovský, der für seine Herzlosigkeit berüchtigt war. Nachdem im Winter 1943 eine Typhusepidemie ausgebrochen war, wurde er vom Kommandanten des Lagers in Hodonín u Kunštátu, der die Aufgabe hatte, die Deportationen nach Auschwitz vorzubereiten, ersetzt. Die Lagerwache bestand aus mehreren dutzend Polizisten.

Die Lagerregeln verlangten, dass die Häftlinge arbeiten, hauptsächlich am Bau einer Straße zwischen Pilsen und Ostrau. Häftlinge wurden auch zum Wegschaffen gefällter Bäume aus den Wäldern und in der Landwirtschaft eingesetzt. Wenn sie an entlegeneren Orten arbeiteten, wurden sie außerhalb des Lagers untergebracht. Einerseits bot dies eine bessere Fluchtmöglichkeit, andererseits mussten die Häftlinge dann auch ihre Verwandten im Lager zurücklassen. An diesen Orten arbeiteten die Häftlinge für lokale Unternehmer, die die günstige Zwangsarbeit bei der Lagerkommandantur bestellten. Das Geld, das diese dafür erhielt, wurde nicht an die Häftlinge ausbezahlt, sondern sollte die Lagerkosten abdecken.

Essen – Frühstück, Mittagessen und Abendessen – wurde nur in den kleinstmöglichen Mengen zur Verfügung gestellt. Vor der Deportation in andere Konzentrationslager wurden die Essensrationen kurzzeitig erhöht. Auch von Essensdiebstahl durch die Wachmannschaften wurde berichtet.

Die grauenvollen Lebensbedingungen führten zu häufiger, sogar chronischer, Krankheit unter den Häftlingen. Von den 30 Kindern, die im Lager geboren wurde, überlebte kein einziges. All das gipfelte im Ausbruch einer Typhusepidemie Ende 1942/Anfang 1943. Sie war die häufigste Todesursache unter den Häftlingen.
Insgesamt wurden 1 309 Personen in diesem Lager gefangen gehalten, von denen 326 ihre Internierung nicht überlebten. Ein Viertel der Häftlinge wurde entlassen oder flüchtete. Die restlichen Insassen wurden nach Auschwitz transportiert.

Aus dem Lager in Lety heraus gab es zwei große Deportationen. Die erste war ein Transport von als „asozial“ Kategorisierten, der am 3. Dezember 1942 mit 16 Männern und 78 Frauen ins Konzentrationslager Auschwitz I aufbrauch. Mit der zweiten Deportation, die im Zusammenhang mit der Auflösung des Lagers stand, wurden 417 Häftlinge nach Auschwitz II – Birkenau gebracht. Während der erste Transport aufgrund des „Erlasses zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ stattfand, geschah der zweite auf Grundlage eines Dekrets von Himmler vom 16. Dezember 1942, das die Deportation aller Roma nach Auschwitz anordnete.
Die verbliebenen 198 Häftlinge wurden auf das "Zigeuner"-Lager in Hodonín u Kunštátu, und andere Lager in Prag und Pardubitz verteilt. Nur wenige von ihnen wurden freigelassen.

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Šlehofr, Lety

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