Bełżec

Das erste Vernichtungslager wurde in der Nähe der kleinen Stadt Bełżec, im südöstlichen Teil der Lubliner Gegend, nicht weit entfernt von der Grenze zwischen dem Generalgouvernement und dem von der Sowjetunion besetzten Teil Polens, erbaut. Ursprünglich wurde es von den Deutschen im Jahre 1940 als jüdisches Arbeitslager, in dem die Insassen Befestigungen und Panzerabwehranlagen gegen die russischen Truppen bauen sollten, gegründet. Am Ende des Jahres wurde es jedoch geschlossen.

Fast ein Jahr später, am 1. November 1941, wurde dort ein Vernichtungslager als Teil der Aktion Reinhard errichtet. Die ehemaligen Panzergräben wurden als Massengräber benutzt. Zuerst war die Lokalbevölkerung mit den Bauarbeiten beschäftigt, später jedoch wurden sie von Juden aus in der Nähe liegenden Ghettos ersetzt. Der Lagerkommandant war Polizeihauptmann und SS-Hauptsturmführer Christian Wirth, der bereits im Euthanasie-Vernichtungsprogramm Erfahrung gesammelt hatte. Der Rest der Belegschaft bestand aus deutschem und ukrainischem Aufsichtspersonal, das in Trawniki ausgebildet worden war. Es gab ungefähr 700 bis 1 000 jüdische Arbeitskräfte, die jeweils nur wenige Tage lang arbeiteten, bevor sie in die Gaskammern geschickt und durch neue Arbeiter ersetzt wurden. Ihre Aufgaben waren die gleichen wie in Treblinka. Hier wurde jedoch zusätzlich den in den Gaskammern ermordeten Frauen die Haare abgeschnitten, da sie zur Herstellung von Schuhwerk für das Militär gebraucht wurden.

Das Ausmaß und Erscheinungsbild der Lagers ähnelte den anderen Lagern der Aktion Reinhard, Treblinka und Sobibor. Es bestand jedoch nur aus zwei Bereichen, einem für die Administration und einem für die Vernichtung. Der Bereich, in dem die Neuankömmlinge sich ihrer Kleidung entledigten, war durch einenSchlauch mit den Gaskammern verbunden - siehe Treblinka.

Fünf jüdische Häftlinge vor Baracken im Lager Bełżec, Mai 1940. (Foto: Muzeum Regionalne w Tomaszow Lubelski, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives.)

Anfangs verfügte das Lager über drei Gaskammern. Alle Türen waren mit Gummi abgedichtet, sodass das Gas, das von einem 250 HP-Motor in der nächstgelegenen Baracke, nicht entweichen konnte. Die Einrichtung wurde vom Lagerkommandanten Christian Wirth nach einer Tour durch Chelmno entworfen. Ende Februar 1942 waren die Gaskammern zum Testen bereit. Dafür verwendete man Juden aus der Stadt Lubycza Królewska. Am 17. März 1942 wurden die ersten Juden aus Lublin hintransportiert.

Während der ersten vier Wochen des Lagerbetriebs - vom 17. Märzbis Mitte April 1942 - wurden dort insgesamt 30 000 Juden aus dem Lubliner Ghetto, 15 000 aus Lemberg und weitere 35 000 aus den Ghettos in der Lubliner Gegend und Ostgalizien ermordet.

Die Vorbereitungen für den Vernichtungsprozess waren denen in Sobibor und Treblinka ähnlich. Am Eingang des Lagers befand sich ein Schild mit der polnischen Aufschrift: Achtung. Geben sie hier alle persönlichen Gegenstände ab, mit der Ausnahme von Geld, Dokumenten und anderen Wertgegenständen, die sie mitnehmen müssen. Binden sie ihre Schuhe zusammen und geben sie diese an den gekennzeichneten Stellen ab. Bevor sie die Duschen betreten, ziehen sie sich alle Kleidungsgegenstände aus.

Roma-Häftlinge, die im Lager Bełżec unter freiem Himmel sitzen, Juli 1940. (Foto: Jerzy Ficowski, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives.)

Mitte April 1942 wurde der Vernichtungsprozess für einige Zeit unterbrochen. Die Lagerführung war der Meinung, dass die Kapazitäten der Gaskammern nicht ausreichten und dass diese erhöht werden müssten. Die alten Einrichtungen wurden geschliffen und ein neues Gebäude errichtet. In ihm befanden sich sechs 5 x 4 Meter große Gaskammern mit einer Gesamtkapazität von 1 000 bis 1 200 Personen, was ungefähr die Hälfte der Leute von zwanzig Waggons ist. Über dem Gebäudeeingang befand sich ein Schild mit der Aufschrift: Duschen und Desinfektionsbereich.

In der zweiten Juliwoche wurden die Transporte fortgesetzt. Zwischen Juli und Oktober 1942 kamen 130 000 Juden aus der Krakauer und an die 225 000 aus der Lemberger Gegend im Lager an. Mit den Transporten kamen auch deutsche, österreichische und tschechische Juden an, die bereits zuvor in polnische Ghettos deportiert worden waren. Man plante auch 200 000 Juden aus Rumänien dorthin zu schicken, aber die rumänische Regierung weigerte sich, sie zu übergeben.

Anfang August 1942 übernahm SS-Hauptsturmführer Gottlieb Hering die Position des Lagerkommandanten. Er ersetzte Christian Wirth, der zum Inspekteur aller Vernichtungslager der Aktion Reinhard befördert wurde.

Ende Dezember 1942 wurde das Lager geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war die Mehrheit der Juden aus dem Gebiet des Generalgouvernements bereits vernichtet worden und das Lager wurde auf Beschluss der Führerschaft der Aktion Reinhard geschlossen. Sobibor und Treblinka, sowie auch Auschwitz - Birkenau, blieben weiterhin in Betrieb.

Zwischen Dezember 1942 und Frühling 1943 wurden die Massengräber geöffnet und die Leichen der Opfer auf Scheiterhäufen, für die man Holz von Eisenbahngleisen verwendete, verbrannt. Die Spuren des Lagers wurden verwischt und die circa 600 Häftlinge, die bei den Kremationen helfen mussten, wurden nach Sobibor in den Tod geschickt. Das Gelände des Lagers in Bełżec wurde in einen

Bauernhof umgewandelt und von zwei ukrainischen Wachleuten beaufsichtigt. Im Sommer 1944 wurde das Bełżecer Lager von der Roten und der polnischen Armee befreit.

Mehrere Leute versuchten aus Bełżec zu flüchten, aber nur einer von ihnen, Rudolf Reder, überlebte. Ihm gelang im November 1942 die Flucht und nach dem Krieg schrieb er einen Bericht über sein Leben im Lager.

Insgesamt wurden in Bełżec innerhalb von sieben Monaten 600 000 Menschen ermordet. Die meisten davon waren jüdisch, aber auch mehrer Tausend Roma waren unter den Opfern.

Der Sockel eines zerstörten Denkmals in Bełżec. Vorbereitungen für den Bau eines neuen Denkmals finden momentan statt.. (Foto: M. Stránský)

  • Literatur:

  • Reder, Rudolf. Bełżec. Kraków, 1946.

  • Arad, Yitzhak. Belzec, Sobibor, Treblinka. Bloomington: Indiana University Press, 1987, s. 437.

  • Kraus, Ota; Kulka, Erich. Noc a mlha (Nacht und Nebel). Praha: Naše vojsko, 1966, s. 431.

  • Mildt, Dick de. In the Name of the People: Perpetrators of Genocide in the Reflection of Their Post-War Prosecution in West Germany: The "Euthanasia" and "Aktion Reinhard" Trial Cases (Im Namen des Volkes: Die Übeltäter des Genozids in Anbetracht ihrer Nachkriegsverfolgu. Hague, London, Boston: Martinus Nijhoff Publishers, 1996, s. 442.

  • The Nazi Concentration Camps: Structure and Aims: The Image of the Prisoner: The Jews in the Camps (Die nazistischen Konzentrationslager: Aufbau und Ziele: Das Bild eines Häftlings: Die Juden in den Lagern). Jerusalem: Yad Vashem, 1984, s. 746.

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