Die Entstehung des Ghettos
In der zweiten Hälfte des Jahres 1941 trat die Endlösung der Judenfrage, wie die
Nazis das Programm der Vernichtung der europäischen Juden euphemistisch nannten, in ihre
Schlussphase. Es wurde die massenhafte Liquidierung der Juden, zuerst auf den okkupierten
Gebieten der damaligen Sowjetunion, aufgenommen. Mit der Durchführung dieser Aufgabe wurden
die SS und die ihr untergeordneten Polizeiorgane beauftragt. Zum Koordinator wurde der Chef des
Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) Reinhard Heydrich, der dazu am 31.
Juli 1941 den offiziellen Auftrag von Hermann Göring, dem Vorsitzenden des
Ministerrates für die Reichsverteidigung und Hitlers Stellvertreter, erhielt. Hitler war ungeduldig und
verlangte, dass Deutschland, Österreich und das Protektorat Böhmen und Mähren möglichst bald
judenfrei gemacht werden. Am
Heydrich widmete der Endlösung eine der ersten Beratungen seines engsten Stabes
am
In die Vorbereitungen zur Errichtung eines Ghettos in Theresienstadt musste sich auch die Jüdische Kultusgemeinde in Prag einschalten. Die Nazis förderten in den Reihen ihrer Mitarbeiter mit Absicht die Illusion, dass das Ghetto zu einem autonomen Gebiet würde, wo die Juden in Ruhe leben und bis zum Ende des Krieges arbeiten könnten. Auf diese Weise sollte die Ruhe unter den künftigen Opfern des Genozids erhalten und Zeit für ihre planmäßige und allmähliche Vernichtung gewonnen werden, ohne das Leben im Protektorat zu stören.
Am
Herr über Leben und Tod war die SS-Lagerkommandantur mit dem
Lagerkommandant an der Spitze. Diese Funktion hatten nach und nach Dr. Siegfried
Seidl, Anton Burger und Karl Rahm inne -
alle im Rang eines SS-Obersturmführers. Die Kommandantur unterstand der
Um im Lager Ruhe zu bewahren und keinen Aufstand zu provozieren, ging die Kommandantur später unterschiedlich vor. Bestrafte Häftlinge wurden in das nicht weit entfernte Polizeigefängnis der Prager Gestapo in der Theresienstädter Kleinen Festung gebracht. Dort war die Behandlung der jüdischen Häftlinge so grausam, dass die Kleine Festung für sie einem Vernichtungslager glich. Eine weitere Liquidierungsweise war die Einreihung der Häftlinge in die Transporte nach Osten mittels Weisung, welche meistens die Hinrichtung jenes Häftlings unmittelbar nach der Ankunft des Transportes in seinem Bestimmungsort bedeutete.
Die Bunker unter der Lagerkommandantur
Ähnlich wie in anderen Ghettos und Konzentrationslagern wurde auch in Theresienstadt eine jüdische Selbstverwaltung errichtet. Deren Leitung und Administrative mussten jedoch die Befehle der SS erfüllen und hatten nur eine geringe Möglichkeit, das Schicksal der Häftlinge zu erleichtern. An der Spitze der Selbstverwaltung stand der Judenälteste mit seinem Stellvertreter, sein Beratungsorgan war der Ältestenrat. Die Administrative gliederte sich in Sekretariat und fünf Hauptabteilungen. Später erhöhte sich die Zahl der Abteilungen auf neun. Die Funktion des Judenältesten übten in Folge Jakob Edelstein, Dr. Paul Eppstein und Dr. Benjamin Murmelstein aus.


