Treblinka

Treblinka, gemeinsam mit Bełżec und Sobibor war eines der Vernichtungslager der Operation Reinhard, die man in Gedenken an Reinhard Heydrich so bennante. Es befand sich im dünn besiedelten Nordosten des Generalgouvernements, auf der Warschau-Białystok-Linie, in der Nähe eines 1941 errichteten Straflagers. Die Bauarbeiten begannen Ende Mai 1942 und wurden am 22. Juli desselben Jahres abgeschlossen.

Treblinka. Das Foto stammt aus dem Archiv des Lagerkommandanten Kurt Franz, 1942 - 1943. (Foto: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives.)

Das Lager war in drei Bereiche aufgeteilt. Der erste stand dem Personal zum Gebrauch, welches aus Deutschen und Ukrainern, sowie aus jüdischen Häftlingen, die in Tischler-, Schuster- und Metallarbeiterworkshops arbeiteten, bestand. Der zweite setzte sich aus Bereichen für die Aufnahme und Versammlung der Häftlinge zusammen. Der dritte war der Vernichtungsbereich, in dem sich die Gaskammern, Massengräber und Holzstapel für die Kremation der Häftlinge befanden. Dieser Bereich war über eine enge Gasse, die als Schlauch bekannt war, durch welche die Juden in die Gaskammern getrieben wurden, mit dem Aufnahmebereich verbunden.

Treblinka war eine wahre Todesfabrik. Unmittelbar, nachdem die Leute aus den Zügen ausgestiegen waren, wurden sie in die Gaskammern geschickt. Es gab keine Tätowierungen, keine Unterbringungen mit Holzpritschen, keine Läuse und nicht einmal harte Arbeit. Von Anfang an waren drei Gaskammern mit den Dimensionen 4 x 4 m und einer Kapazität für 300 bis 500 Personen pro Stunde in Betrieb. Im September 1942 wurden weitere zehn Gaskammern mit weitaus größeren Kapazitäten hinzugefügt. Somit konnten zwischen 1 000 und 2 000 Menschen pro Stunde ermordet werden.

Verhaftete Juden machen sich nach der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto auf den Weg zu einem Transport nach Treblinka, 19. April – 16. April 1943. (Foto: Nationalarchiv, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives.)

Die Transportzüge mit je vierzig bis fünfzig Güterwägen, in denen sich zwischen 6 000 und 7 000 Häftlinge befanden, kamen am Bahnhof des Dorfes Treblinka an, welcher sich vier Kilometer vom Lager entfernt befand. Von dort aus wurden sie in 20 Lastwägen auf einmal ins Lager gebracht. Die Deportierten wurden aus den Waggons getrieben, die Männer von den Frauen und Kindern getrennt und dann mussten sie sich alle nackt ausziehen. Danach wurden sie durch den Schlauch ins Badehaus getrieben, wo sie binnen 15 Minuten an Vergasung starben. Nachdem dieser Vorgang abgeschlossen war, schleppten jüdische Häftlinge die Leichen durch die Hintertür hinaus. Anfangs wurden die Leichen noch in Massengräbern verscharrt, aber später wurden sie auf Befehl Heinrich Himmlers, der Ende Feber/Anfang März 1943 das Lager besichtigte, verbrannt. Dies wurde auch für die bereits begrabenen Opfer verlangt, also mussten die Massengräber geöffnet und die Leichen verbrannt werden. Die Überreste und Asche wurden wieder in die Gräber geworfen.

Im Ankunftsbereich befand sich ein Gebäude, über dem eine Flagge mit einem roten Kreuz wehte, das Lazarett. Dorthin wurden jene Leute gebracht, die nicht eigenständig zum Badehaus gehen konnten. Anstatt jedoch medizinisch versorgt zu werden, wurden sie dort unverzüglich ermordet.

Die entleerten Waggons machten sich wieder auf den Weg, zwanzig neue Lkw kamen an ihrer Stelle und der ganze Prozess begann von vorne. Die Kleidung und Gegenstände, welche die Opfer in den Deportationsbarracken vor der Dusche zurückließen, wurden sortiert. Nach und nach wurden Bänker und Goldschmiede aus den Transporten selektiert und in einem Kommando, das man Goldjuden nannte, zusammengefasst. Ihre Aufgabe bestand darin, Wertgegenstände mit denen danach die Deutschen, Ukrainer und die Lokalbevölkerung handelten, zu sammeln und bewerten.

Die ersten Transporte nach Treblinka kamen aus dem Warschauer Ghetto. Zwischen dem 23. Juli und dem 21. August 1942 wurden hier insgesamt 254 000 Juden aus Warschau und 112 000 aus dem Warschauer Gebiet ermordet. Weiters wurden 337 000 Juden aus dem Radomer Gebiet und 35 000 aus Lublin und Umgebung ermordet. Im Ganzen wurden 738 000 Juden aus dem Generalgouvernement in Treblinka ermordet.

Mehr als 107 000 Personen aus dem Gebiet um Białystok wurden hierher deportiert, der Großteil davon zwischen November 1942 und Jänner 1943. 7 000 slowakische Juden, die zuvor in polnischen Ghettos gefangen waren, starben im Sommer und Herbst 1942 in Treblinka. Im September und Oktober 1942 fanden zehn Transporte mit 18 000 Leuten aus Theresienstadt statt. Im März und April 1942 wurden ungefähr 11 000 Juden aus Makedonien und Thrakien, Gebiete die neu an Bulgarien angegliedert wurden, nach Treblinka deportiert. Am Ende März folgten ihnen 2800 Juden aus Thessaloniki. Es starben hier auch mehr 2 000 Roma.

Die Gesamtzahl der in Treblinka ermordeten wird auf 870 000 geschätzt.

Franz Stangl, Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka in den Jahren 1942 - 1943. (Foto: Das Jacob Rader Marcus Zentrum der amerikanischen jüdischen Archive, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives.)

Der erste Lagerkommandant war SS-Obersturmführer Imfried Ebers. Im August 1942 wurde er durch SS-Obersturmführer Franz Stangl ersetzt, der zuvor schon Kommandant in Sobibor gewesen war. Ab April 1942 war Kurt Franz, der zuvor Stangls Stellvertreter gewesen war, Lagerkommandant. Die Belegschaft bestand aus 20 bis 30 Deutschen, welche die Führungspositionen innehatten, und an die 120 Ukrainern, die als Wachen dienten. Die meisten von ihnen waren sowjetische Kriegsgefangene, die in Trawniki trainiert worden waren. Zusätzlich wurden mehr als 700 jüdische Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. Dazu zählte auch die Instandhaltung der Gaskammern und das Begraben der Opfer.

Im Jahre 1943 formierte sich unter den Häftlingen, die Zwangsarbeit verrichteten, eine Widerstandsgruppe, der auch viele Kapos und Workshopleiter beitraten . Die Führung der Widerstandsbewegung wurde schließlich von dem ehemaligen Offizier der tschechoslowakischen Armee, Zelo Boch, übernommen. Der Aufstand, der ab April 1943 geplant wurde, begann am 2. August 1943. Die Häftlinge nahmen Waffen und Granaten aus einem Lagerraum, für dessen Tür sie den Schlüssel repliziert hatten. Es gelang ihnen die Gebäude, in denen die Deutschen und Ukrainer lebten, in Brand zu setzten und allmählich fingen alle Gebäude im Lager Feuer. Die Häftlinge versuchten über die Stacheldrahtzäune zu klettern, aber viele von ihnen wurden von den Wachtürmen aus erschossen. Anderen gelang es, in die sumpfigen Wälder zu flüchten, aber von den 700 Häftlingen entkamen nur an die 70.

Der Rest der Häftlinge, dem es nicht gelungen war zu flüchten, musste jeglichen Beweis der Lageraktivitäten zerstören und verschleiern. Anschließend wurden sie erschossen und ein Bauernhof wurde auf dem Gelände des Vernichtungslagers errichtet.

Von 1959 bis 1969 wurde ein Denkmal in Form eines Friedhofs auf dem Gelände des Lagers erbaut. Hunderte steinerne Grabmäler tragen die Namen der Länder und Gegenden, aus denen die Opfer stammten.

Der symbolische Friedhof auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers, 2001. (Foto: M. Stránský)

Nach dem Krieg flüchtete Franz Stangl nach Brasilien, von wo er an Deutschland ausgeliefert wurde. Vom 13. März bis zum 22. Dezember 1970 stand er vor Gericht und erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Auf die Frage, wie viele Menschen in Treblinka pro Tag ermordet werden konnten, antwortete er: Nach meiner Schätzung wurde ein Transport von dreißig Güterwägen oder 3 000 Leuten innerhalb von drei Stunden liquidiert. Wenn die Arbeitszeit vierzehn Stunden betrug, wurden zwischen 12 000 und 15 000 Menschen vernichtet. An vielen Tagen dauerte die Arbeit von frühmorgens bis spätabends... Ich habe nichts getan, das nicht meine Pflicht war. Mein Gewissen ist rein.

  • Literatur :

  • Glazar, Richard. Treblinka, slovo jak z dětské říkanky (Treblinka, wie ein Wort aus einem Kinderreim). Praha: Sefer, 1994, s. 420.

  • Arad, Yitzhak. Belzec, Sobibor, Treblinka. Bloomington: Indiana University Press, 1987, s. 437.

  • Kárný, Miroslav. Osud terezínských východních transportů v létě a na podzim 1942 (Das Schicksal der Theresienstädter Transporte nach Osten im Sommer und Herbst 1942). 1988, in: Litoměřicko, sv. XXIV, s. 160-165.

  • Glazar, Richard. Autentická historie vyhlazovacího tábora Treblinka - líčení očitého svědka. Praha: Karolinum, 1997, in: Židé v novodobých dějinách, s. 163-170.

  • Glazar, Richard. Čeští židé a povstání v Treblince (Tschechische Juden und der Aufstand in Treblinka). 1997, in: Terezínské studie a dokumenty.

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