Pinsk

Eine jüdische Familie aus Pinsk, ca. 1920. (Foto: USHMM)

Im Laufe seiner Geschichte gehörte die Stadt Pinsk zu drei verschiedenen Ländern . Juden ließen sich hier ab dem 15. Jahrhundert nieder. Der erste schriftliche Beleg ihrer Präsenz vor Ort stammt aus dem Jahre 1506. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges stellten sie die Mehrheit ihrer Bevölkerung (70 %). Einige bedeutsame chassidische Dynastien stammen aus Pinsk und zu seiner Zeit war es auch ein wichtiges Zentrum der Haskala.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt Teil Polens, ab September 1939 gehörte es zu sowjetischem Staatsgebiet. Am 4. Juni 1941 wurde die Stadt von Nazi-Truppen besetzt und wurde Teil des östlichen Gebietes des Dritten Reichs. Die Nazis ordneten die Bildung eines Judenrates mit 28 Mitgliedern an. Er stand unter der Leitung von David Alper.

Am 5. August 1941 wurden 8 000 Männer, im Alter zwischen 16 und 60 Jahren, unter dem Vorwand die Eisenbahngleise zu erneuern, versammelt. Darunter befanden sich auch die meisten Mitlglieder des Judenrats. Sie wurden in einen 4 km entfernten Wald, in der Nähe des Dorfes Ivaniki, gebracht, wo sie exekutiert und in vorbereitete Gräber geworfen wurden. Zwei Tage später traf die ca. 3 000 verbliebenen Männer, darunter auch alte Männer und Jungen, dasselbe Schicksal.

Am 1. Mai 1942 wurde für die übrig gebliebenen jüdischen Einwohner ein Ghetto gegründet. Die 20 000 verbliebenen Juden, hauptsächlich Witwen und Kinder der exekutierten Männer, wurden in einen einzigen Bezirk der Stadt gezwängt. Große Zahlen von Häftlingen lebten in kleinen Räumen mit unzulänglichen Hygieneeinrichtungen zusammen. Da das Ghetto für Arbeitszwecke gegründet worden war, wurden die meisten Häftlinge in der Landwirtschaft oder in Fabriken eingesetzt.

Ende Oktober 1942, als das Ghetto etwas weniger als sechs Monate in Betrieb gewesen war, beschloss Heinrich Himmler seine Schließung, trotz seines wirtschaftlichen Nutzungspotentials. Im Laufe der nächsten Tage, vom 29. Oktober bis zum 1. November, brachten die Nazis den Großteil der Ghettobewohner in die Wälder, nicht weit vom nahe gelegenen Dorf Dobrovolie, und exekutierten sie dort. Nur 143 Häftlinge arbeiteten weiterhin bis Dezember 1942 in Workshops und überlebten. Danach wurden auch sie ermordet.

Die Stadt wurde am 14. Juni 1944 von der Roten Armee befreit.

Im Jahre 1994 wurden einzigarte Listen entdeckt, welche die Namen, Geburtsdaten, Wohnadressen im Ghetto und Beschäftigungen von 17 344 Pinsker Häftlingen enthielten.

  • Literatur:

  • Rabinowitsch, Wolf Z. The Story of the Jews of Pinsk 1506-1942, 1. vol. (Die Geschichte der Pinsker Juden 1506-1942). Tel Aviv: Association of the Jews of Pinsk in Israel, 1977, s. 606.

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David Alper, Pinsk, Ivaniki

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