Das Łódźer Ghetto

Vor Kriegsbeginn waren 34 % der 665 000 Łódźer Einwohner jüdisch (223 000 Menschen) und die Stadt war ein wichtiges Zentrum jüdischer Kultur. Mit dem Eintreffen der deutschen Truppen am 8. September 1939 begann eine Terrorkampagne gegen die jüdischen und polnischen Einwohner. Im Februar 1940 wurde die Errichtung eines jüdischen Ghettos am nördlichen Rand der Stadt, im einsten jüdischen Armenviertel, bekanntgegeben. Juden wurden aus den anderen Teilen der Stadt vertrieben und am 30. April 1940 wurde das Ghetto abgeriegelt. Nun mussten sich 164 000 Łódźer Juden auf 4 km2 zwängen. Ein Drittel dieser Fläche war noch nicht einmal bebaut. In den Jahren 1941 und 1942 wurden weitere 38 500 Juden ins Ghetto deportiert, von denen 20 000 aus dem Reich und Protektorat kamen und der Rest aus nahegelegenen Orten.

Ein jüdischer Polizist und ein deutscher Soldat regeln den Verkehr auf der Straße, die den Anfang des jüdischen Ghettos darstellt. (Foto: Zydowski Instytut Historyczny Instytut Naukowo-Badawczy, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives)

Im November 1941 wurden 5 000 Roma (darunter viele Kinder) aus dem Burgenland ins Ghetto deportiert. Sie wurden in einem eigenen Bereich, der durch einen doppelten Stacheldrahtzaun abgeriegelt war, interniert.

Die jüdische Verwaltung des Lagers, unter der Leitung des dominanten Mordechai Rumkovski, bemühte sich darum, dass die Produktivität im Lager so hoch wie nur erdenklich war und alle Häftlinge so hart wie möglich arbeiteten. Jedoch konnte nicht einmal das der Überfüllung und dem Hunger vorbeugen, oder die unmenschlichen Lebensbedingungen der Łódźer Häftlinge verbessern. Aufgrund von Epidemien, Brennstoff- und Essensmangel und schlechten Sanitäranlagen starben die 43 500 Leute, 21 % der Ghettobevölkerung, an Mangelernährung, Kälte und Krankheit.

Ein Plakat der jüdischen Verwaltung des Łódźer Ghettos, das Kinder dazu aufruft, auf Hygiene zu achten. (Foto: Muzeum Sztuki w Łódźi, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives)

Ab Jänner 1942 kamen Transporte aus dem nahegelegenen Ghetto im Chelmno an, wo Häftlinge in mobilen Gaskammern ermordet wurden. Bis Mai 1942 wurden 55 000 Juden und 5 000 Roma in Łódź ermordet. Im Laufe der zweiten Deportationswelle im September 1942 wurden ca. 20 000 Häftlinge ermordet, der Großteil davon Kinder, alte Leute und Kranke. Die ganze Aktion begann nach dem Schließen des Krankenhauses, dessen Patienten die ersten Opfer waren. Ab September 1942 wurde das Ghetto zu einer großen Fabrik und die Häftlinge mussten für die deutsche Rüstungswirtschaft arbeiten. Anfang 1944 beschlossen die Deutschen das Ghetto zu schließen. Im Sommer 1944 wurden die verbleibenden Häftlinge in die Vernichtungslager Chelmno und Auschwitz geschickt.

Zwischen dem 16. Oktober und dem 3. November 1941 wurden 5 000 tschechische Juden nach Łódź deportiert. Nur 277 von ihnen überlebten.

  • Literatur:

  • Seemann, Richard. Ghetto Litzmannstadt, 1941-1944. Dokumenty a výpovědi o životě českých židů v lodžském ghettu (Das Litzmannstädter Ghetto, 1941-1944. Dokumente und Zeugenaussagen betreffend das Leben der tschechischen Juden im Łódźer Ghetto). Praha: U?stav mezina?rodni?ch vztahu? ve spolupra?ci s Terezi?nsky?m pama?tni?kem, 2000, s. 307.

  • Seemann, Richard. Čeští Židé v Lodži (Tschechische Juden in Łódź). 1998, in: Terezínské studie a dokumenty, s. 67-85.

  • Dobroszycki, Lucjan. The Chronicle of the Łódź Ghetto 1941-1944 (Eine Chronik des Łódźer Ghettos). New Haven - London: Yale University Press, 1984, s. 551.

  • Barkai, Avraham. Between East and West. Jews from Germany in the Lodz Ghetto (Zwischen Osten und Westen. Juden aus Deutschland im Łódźer Ghetto). 1984, in: Yad Vashem Studies, sv. XVI, s. 271-332.

  • Kovályová, Heda. Na vlastní kůži (Am eigenen Leib). Praha: Československý spisovatel, 1992, s. 331.

  • Kafka, František. Krutá léta (Die grausamen Jahre). Praha: Naše vojsko - SPB, 1963, s. 405.

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