Die Verfolgung deutscher Juden nach der Machtübernahme der Nazis

Die ca. 500 000 Juden, die in Deutschland lebten (ca. 0,77 % der Bevölkerung) bekamen schnell die Stärke des nazistischen Antisemitismus zu spüren. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers und der NSDAP begann der Prozess des Ausschlusses der Juden aus der Gesellschaft, der Belästigung und Verfolgung. Auch wenn dies zu manchen Zeiten aus Gründen von Taktik und internationaler Politik geringer ausfiel, war das Ziel des Prozesses stets die Zerstörung der Juden.

Die Zeit direkt nach der Nazi-Machtübernahme war durchspontane Verfolgung, insbesondere durch die SA gekennzeichnet, die in mehreren Orten Einschüchterungskampagnen betrieben und Juden tätlich angriffen. Die ersten Juden, besonders Immigranten aus Osteuropa, wurden in die Konzentrationslager geschickt. Im neuen Regime wurden fortwährend Dekrete betreffend die Juden erlassen, die ihre Freiheiten Berufe auszuüben, öffentliche Einrichtungen zu betreten etc. einschränkten. Viele dieser Erlässe wurden von den lokalen Autoritäten verabschiedet und viele deutsche Gemeinden stellten Schilder auf, die den Juden den Eintritt versagten.

Eines der Hauptbegehren aller antisemitischen Programme war die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft. Am 1. April 1933 verkündete das Nazi-Regime den Boykott jüdischer Händler, Handwerker, Anwälte und Ärzte, begleitet von intensiver antisemitischer Propaganda, die behauptete, dass der Boykott schlichtweg eine Reaktion auf die feindliche Einstellung ausländischer Juden gegenüber dem neuen Regime sei. Die Einhaltung des Boykotts wurde überwacht und von der SA und SS durchgesetzt. Am 4. April wurde der Boykott offiziell beendet, da sein Zweck erfüllt schien. Nach der ersten revolutionären Phase der Verfolgung der Juden und deren Ausschluss aus der deutschen Wirtschaft, entschieden sich die Nazis aus Angst vor wirtschaftlichen Einbußen dafür umsichtiger zu agieren und übten ihre Spontanmaßnahmen gegen die Juden etwas zurückhaltender aus. Dennoch hörte der Prozess der sozialen und wirtschaftlichen Ächtung der Juden nie auf, er wurde nur den Umständen entsprechend beschleunigt oder gebremst.

SA-Mitglieder beim Ausüben eines Boykotts jüdischer Geschäfte. (Foto: Nationalarchive, mit Genehmigung des USHMMPhoto Archives)

Unmittelbar nach der Machtübernahme wurden Künstler, Wissenschafter und andere bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens jüdischer Herkunft aus ihren Funktionen verdrängt. Viele von ihnen emigrierten. Von ihnen ist wahrscheinlich der Physiker Albert Einstein, Erfinder der Relativitätstheorie, der in die U.S.A. emigrierte, der Bekannteste.

Man begann auch mit Anstrengungen Juden systematisch aus ihren Berufen zu verdrängen. Viele Anwälte, Ärzte und Universitätsprofessoren mussten ihre Arbeit aufgeben. Am 7. April 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums verabschiedet, das es den Nazis erlaubte nichtarische, kommunistische und andere Beamte, denen sie nicht trauten, zu feuern. Das Ziel des Gesetzes war offensichtlich alle jüdischen Beamten zu feuern und auf seiner Grundlage wurden mehrere Tausend nichtarische Angestellte entlassen.

Während der gesamten Zeit nach der Machtübernahme durch die Nazis, wurde die deutsche Bevölkerung einer andauernden antisemitischen Kampagne ausgesetzt. Das Ziel war die Deutschen davon zu überzeugen, dass die Juden an der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der darauffolgenden Demütigung Schuld haben, und dass Deutschland erst dann wieder aufblühen kann, wenn man sich ihrer entledigt hat. Nazi-Propaganda behauptete auch, dass die Rassenreinheit gewahrt werden müsste und man auf keinen Fall die überlegene deutsche Rasse mit anderen Rassen, vor allem nicht mit der jüdischen, vermischen dürfe. Seit 1923 veröffentlichte der deutsche Gauleiter Julius Streicher das extrem antisemitische Magazin Der Stürmer, in dem brutale judenfeindliche Propaganda von pornographischen Elementen ergänzt wurde. Antisemitismus und Rassismus standen bei Kampagnen und in der Schule an der Tagesordnung. Ein extremes Beispiel antisemitischer Propaganda für Jugendliche war das Lehrbuch Giftpilz (Text auf Tschechisch), herausgegeben von Stürmer, in dem den Kindern die gefährliche Natur der Juden anhand von Illustrationen und lebendigen Geschichten erklärt wurde.

Die Nürnberger Gesetze

Die Nürnberger Gesetze (Text auf Tschechisch), die am 15. September 1935 während des jährlichen Parteikongresses der NSDAP in Nürnberg verabschiedet wurden, wurden in Deutschland zur gesetzlichen Grundlage für den Ausschluss der Juden aus dem öffentlichen Geschehen. Das Gesetz zur Reichsbürgerschaft (Reichsbürgergesetz) legte fest, dass nur arische Deutsche oder Personen verwandten Blutes Reichsbürger sein könnten, während Juden zu Bürgern zweiter Klasse erklärt wurden. Das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (Blutschutzgesetz) verbot Ehen und außereheliche Beziehungen zwischen Juden und Deutschen, die Beschäftigung von deutschen Dienern, die 45 Jahre alt oder jünger sind, in jüdischen Haushalten und das Hissen der Flagge durch Juden. Das dritte Gesetz (Reichsflaggengesetz) verbot es Juden die Reichsfarben (Fahnen) zu zeigen.

Von der ersten antijüdischen Maßnahme im Jahre 1933 an, beschäftigte die Nazi-Bürokratie die Frage, wer als Jude galt und welche Kriterien man erfüllen musste. Die Definition eines Juden, die in den Begleitgesetzen zu den Nürnberger Gesetzen verwendet wurde, war dahingehend bedeutend. Jemand mit zumindest drei jüdischen Großeltern galt als Volljude. Personen mit ein oder zwei jüdischen Großeltern galten als jüdische Mischlinge ersten oder zweiten Grades. Zu einer gewissen Kategorie entsprechend den Nürnberger Gesetzen zu zählen, spielte später eine wichtige Rolle bei der Einreihung in KZ-Transporte.

Trotz des undemokratischen Wesens des Nazi-Regimes und der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze fanden 1936 die Winter- und Sommerolympiade in Deutschland statt. Die Nazis nutzten diese Ereignisse als Gelegenheit Propaganda für ihr Regime zu betreiben. Aus taktischen Gründen wurden während der Olympiaden judenfeindliche Slogans abmontiert und der Verkauf des extrem antisemitischen Magazins Der Stürmer verboten.

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