Deutschlands Angriff auf Polen

Am 1. September 1939 marschierte die Deutsche Armee unter falschem Vorwand in Polen ein. Das stellte den Anfang der militärischen Auseinandersetzung dar, auf den sich die Nazi-Führung seit ihrer Machtübernahme im Jahre 1933 vorbereitet hatte. Sie waren der Ansicht, dass dieser reinigende Krieg notwendig war, um das Deutsche Reich zu errichten und Lebensraum im Osten für das deutsche Volk zu gewinnen. Der Krieg diente den Nazis als Mittel, um ihre weitreichenden Pläne für eine soziale und rassische Umgestaltung ganz Europas umzusetzen. Das polnische und sowjetische besetzte Gebiet im Osten war als riesiges Laboratorium gedacht, in dem Slawen, Juden und andere Nationen, die zugunsten des Deutschen Reiches ausgerottet, vertrieben oder versklavt werden sollten, lebten. Deren Hoheitsgebiete würden dann nach dem Krieg von der deutschen Herrenrasse kolonisiert werden.

Ein deutsche Soldat bewacht eine Gruppe verhafteter Polen und Juden, September 1939. (Foto: Harry Lore, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives.)

Nazistischen Vorstellungen zufolge würde das Kriterium, an dem man den Erfolg der militärischen Kampagne misst, die Auslöschung des Hauptfeindes Deutschlands sein - die jüdische Rasse. Nazi-Propaganda stellte die militärische Auseinandersetzung als einen Kampf um Leben und Tod zwischen der deutschen Rasse und der Judenheit dar. Die Nazis behaupteten, dass Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg nicht die Schuld der Armee, sondern verräterischer Juden, die Deutschland in den Rücken stachen, während es sich im Krieg befand (Dolchstoßlegende), war. Hitler wiederholte seine Prophezeiung, in der er - wie zum Beispiel in seiner Rede zum Reichstag am 30. Jänner 1939 - zynisch davor warnte, dass wenn die Judenheit einen Krieg startete, es in der Vernichtung aller europäischen Juden enden würde. In Wirklichkeit war es andersrum: der Konflikt wurde von Deutschland heraufbeschworen und eines seiner Ziele war die Vernichtung des europäischen Judentums. Nur im Schatten des Krieges war es den Nazis möglich Hitlers Selffulfilling Prophezeiung eines notwendigen Abrechnung mit den Juden umzusetzen.

Der Krieg wurde als Chance gesehen die deutsche Rasse von den angeblich degenerierten und rassisch unterlegenen Bevölkerungsgruppen zu reinigen. Diese Vorstellungen wurden in den von Deutschland annektierten polnischen Gebieten und auf dem Gebiet des Generalgouvernements, wie das übrige polnische Gebiet unter Nazi-Herrschaft genannt wurde, sofort in die Tat umgesetzt. Dieses Gebiet wurde vor allem als Lieferant für Untermenschen-Zwangsarbeit und als Raum für die Rassenexperimente der Nazis angesehen. Von Kriegsbeginn an wurde die Verantwortung für judenfeindliche und rassische Politik zusehends dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) und dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler, übertragen. Diese Autorität galt auch für die neu besetzten Gebiete, wodurch eine stets zunehmende Anzahl von Juden in die Machtsphäre der Nazis gelangte.

Aufgrund des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes besetzte im September 1939 die Deutsche Armee den westlichen Teil Polens und die Sowjetunion den östlichen Teil. Die vier westlichen Provinzen wurden in das Reich selbst eingeschlossen, während der Rest der besetzten Gebiete das Generalgouvernement unter der Leitung von Hans Frank bildete.

Die Ankunft der deutschen Einheiten im besetzten deutschen Gebiet brachte tägliche Schikanierung der jüdischen Bevölkerung mit sich. Juden wurden willkürlich aus ihren Häusern vertrieben, gedemütigt und enteignet. Während der Invasion Polens, wurde die Deutsche Armee von Einsatzgruppen (Text auf Tschechisch) begleitet, deren Aufgabe es war judenfeindlich vorzugehen. In dieser Phase der Endlösung bedeutete dies vor allem Demütigung, Vertreibung und Enteignung. Oft nahm die deutsche Lokalbevölkerung spontan an der Verfolgung und Demütigung ihrer jüdischen Nachbarn teil. An vielen Orten wurden Synagogen niedergebrannt. Ab dem 8. September 1939 mussten alle jüdischen Geschäfte mit einem Davidsstern gekennzeichnet sein. Ab dem 1. Dezember mussten im Generalgouvernement alle Juden, die älter als zehn waren, eine Schleife mit Davidsstern am rechten Arm tragen.

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