1938: das Wendejahr

Am Ende der 30er Jahre erlebte Deutschland eine Stabilisierung der Regierung und der Wirtschaft und traf intensive Vorbereitungen für den Krieg. Die Befürchtung auf Beschädigung dem deutschen Ökonomie und seine internationale politische Position.

Deutschlands erster Gebietsgewinn war Österreich, das am 12. März 1938 annektiert wurde. Der Anschluss Österreichs rief sofort eine Welle judenfeindlicher Maßnahmen und Vorfälle hervor, deren Intensität von einer langen Tradition des Antisemitismus stammte. Juden wurden in der Straße angegriffen und belästigt, ihr Eigentum wurde von österreichischen Nazis gestohlen und sie wurden aus ihren Wohnungen, manchmal sogar aus dem Land vertrieben. Der Vorgang die Juden aus der Gesellschaft auszuschließen, der in Deutschland schon seit fünf Jahren lief, dauerte in Österreich nur ein paar Monate. Am 20. August 1938 richtete Adolf Eichmann, ein SS-Spezialist für die jüdische Frage, in Wien eine Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein. Um eine Ausreiseerlaubnis zu bekommen, mussten österreichische Juden beinahe all ihr Eigentum aufgeben. Durch eine Kombination administrativer Perfektion und täglichen Terrors waren bis Ende 1940 fast zwei Drittel mehr als 130 000 Personen - aller österreichischen Juden vertrieben worden.

Die gesteigerte Radikalisierung des deutschen Antisemitismus rief eine weitere Welle judenfeindlicher Vorfälle hervor, die am 9. November 1938, mit der Reichskristallnacht (Text auf Tschechisch), einem von den Nazis organisierten landesweiten Pogrom, während dessen der Großteil der Synagogen des Landes niedergebrannt und die verbliebenen jüdischen Geschäfte zerstört wurden, ihren Höhepunkt fand. Ca. 100 Juden wurden ermordet und 30 000 weitere wurden in Konzentrationslager deportiert. Die Nazis beschuldigten die jüdische Bevölkerung das Pogrom provoziert zu haben und verlangten von der jüdischen Bevölkerung eine Milliarde Reichsmark als Strafe. Desweiteren konfiszierten die Nazis alle Versicherungsgelder, das den Juden gehörte, deren Eigentum beschädigt worden war. Gleichzeitig befahlen sie den Juden das ursprüngliche Aussehen der Straßen auf eigene Kosten wiederherzustellen. Die Kristallnacht wurde dazu genutzt, die Arisierung des noch verbliebenen jüdischen Eigentums zu beschleunigen.

Fußgänger gehen am Schaufenster eines jüdischen Geschäftes in Berlin vorbei, das während der Kristallnacht zerstört worden war. (Foto: Nationalarchive, mit Genehmigung des USHMM Photo Archives)

1938 war ein Wendejahr für die Juden in Deutschland. Während sich das Land auf militärische Auseinandersetzung und territoriale Expansion vorbereitete, erhöhte das Regime den Druck zum totalen Ausschluss der Juden aus der Gesellschaft. Das Ziel war die Juden zu einer verarmten Schicht am Rande der Gesellschaft mit keiner Hoffnung auf ein normales Leben zu machen. Durch die Verarmung der Juden und Wegnahme ihrer Lebensgrundlage erschufen die Nazis selbst ein jüdisches Problem, dessen logische Lösung die späteren Deportationen in die Ghettos und Konzentrationslager war. Die Arisierung wurde nicht nur durch Gier, sondern vor allem durch die antisemitischen Vorstellungen der Nazis, die sich eine Welt ohne Juden wünschten, vorangetrieben.

Es war Juden verboten in vielen Gebieten zu arbeiten, vor allem im Kleinhandel. Im Juli 1938 wurde allen jüdischen Ärzten die Lizenz entzogen, gefolgt von allen jüdischen Anwälten im September. Im April wurde ein Dekret erlassen, durch das jegliches jüdisches Eigentum im Wert von 5000 RM oder mehr meldepflichtig wurde. Dadurch wurde Eigentum im Wert von mehr als 7 Milliarde Reichsmark ermittelt. Das dritte Dekret, das die Nürnberger Gesetze (Text auf Tschechisch) begleitete, definierte das Konzept eines jüdischen Unternehmens. Es war genug einen einzigen Juden im Aufsichtsrat zu haben, oder zu einem Viertel in jüdischer Hand zu sein, um als jüdisches Unternehmen zu gelten. Später galten auch solche als jüdische Unternehmen, die unter dominantem jüdischem Einfluss standen. Diese Definitionen dienten als Werkzeuge für alle Arisierer, die sich durch Zerstörung jüdischen Lebens in Deutschland und Österreich bereichern wollten.

Es wurden auch Maßnahmen ergriffen, Juden zu kennzeichnen. Im Juli 1938 wurde ein Dekret eingeführt, welches es für Juden verpflichtend machte einen speziellen Ausweis zu haben und von Oktober 1938 an mussten die Reisepässe deutscher und österreichischer Juden mit einem J für Jude gekennzeichnet sein. Ab dem 1. Jänner 1939 mussten alle Juden den zusätzlichen Namen Israel (für Männer) oder Sara (für Frauen) annehmen und neugeborenen jüdischen Kindern durften keine deutschen Namen gegeben werden. Es wurde eine eigene Liste mit erlaubten Namen, die auf den ersten Blick als jüdisch zu erkennen waren, erstellt.

Diese Ereignisse symbolisierten die Auflösung des allmählichen, organisierten und gut vorbereiteten Emigrationsprozesses, um den sich die Anführer der jüdischen Organisationen bis 1938 bemüht hatten. Nach dem Anschluss Österreichs gab es keine Illusionen mehr hinsichtlich einer zukünftigen Existenz von Juden in Deutschland und die jüdische Bevölkerung versuchte der Nazi-Machtsphäre um jeden Preis zu entfliehen. Während die Anzahl der Flüchtlinge zunahm, gab es immer weniger Möglichkeiten. Immer weniger Länder waren gewillt jüdische Emigranten aus Deutschland und Österreich aufzunehmen. Auf den Vorschlag des Präsidenten der Vereinigten Statten Roosevelt hin, trafen sich im Juli 1938 Repräsentanten 32 Länder in Evian/Frankreich, um die Möglichkeiten jüdischen Flüchtlingen zu helfen zu besprechen. Das Resultat der Konferenz war extrem enttäuschend. Mit Ausnahme der winzigen Dominikanischen Republik hatten es alle Teilnahmestaaten abgelehnt mehr Immigranten aufzunehmen.

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