Die jüngsten Häftlinge

Die Kinder im Theresienstädter Ghetto bildeten eine ganz besondere Kategorie der Häftlinge - hilflos, sensibel und umso verletzlicher. Die Selbstverwaltung des Ghettos bemühte sich, mindestens etwas erträglichere Bedingungen in der Unterkunft, Verpflegung und Pflege allgemein für sie zu schaffen. Die hilfsbereiten Mithäftlinge kümmerten sich um ihre alltäglichen Bedürfnisse sowie um sinnvolle Freizeitgestaltung. Im Tagesprogramm der sog. Kinder- und Jugendheimen fehlte es deswegen nicht an Kultur, Sport sowie Aufklärungs- und Bildungsaktivitäten. In der Erziehung der Jugend wirkten viele hervorragende Pädagogen wie Valtr Eisinger, Růžena Engländerová, Josef Stiassny, Willi Groag, Egon Redlich und Fredy Hirsch. Der Unterricht wurde geheim gehalten, es wurden Veranstaltungen und Diskussionen organisiert, an denen führende Persönlichkeiten der Wissenschaft, Kunst und des politischen Lebens vor dem Krieg teilnahmen.

Das Milieu des Ghettos, in das die jüngsten Häftlinge kamen, brachte manche von ihnen zum Schreiben als Äußerung ihrer innersten Gefühle und Gedanken. So entstanden Gedichte sowie verschiedenste literarische Texte, die heute die Atmosphäre des Ghettolebens und seiner Entwicklung treffend nahe bringen. Dieses Schaffen wurde vor allem auf den Seiten der Zeitschriften präsentiert, die zeitweise sogar regelmäßig erschienen. Die berühmteste von ihnen war Vedem, die die Jungen im Heim L417 herausgaben. Vor allem unter der Leitung der Malerin und Pädagogin Friedl Dicker-Brandeisová schufen die Kinder Zeichnungen, in die sie ihre Gefühle, Sehnsüchte und Erinnerungen an ihr Zuhause legten.

Eine besondere Bedeutung hatte für die Kinder und Jugendlichen im Ghetto die Kinderoper Brundibár, die mit begeisterter Teilnahme der jungen Mitwirkenden viele Reprisen hatte. Alle Anwesenden verstanden sehr gut ihre Botschaft, den Glauben an den Sieg des Guten über das Böse. Der Schlusschor dieser Oper wurde zur wirklichen Hymne des Ghettos.

Insgesamt gab es unter den Häftlingen des Ghettos mehr als 10 500 Kinder, die vor der Deportation nach Theresienstadt keine fünfzehn Jahre alt waren. Etwa 400 von ihnen starben in Theresienstadt, für die meisten von ihnen wurde die Einreihung in Transporte in die Vernichtungslager im Osten verhängnisvoll. Dort kamen etwa 7500 von diesen jüngsten Opfern der Endlösung der Judenfrage um.

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