Alte Menschen

Nach dem Beschluss der Wannseekonferenz (auf Tschechisch) begann man, Menschen aus Deutschland und Österreich, die älter als 65 Jahre alt waren, in Massendeportationen nach Theresienstadt zu bringen. Diese vergrößerten die Zahl der alten Menschen im Ghetto erheblich. Jene, die bereits dort waren, kamen aus Böhmen und Mähren. Ihre Lebensumstände gehörten zu den schrecklichsten im Ghetto. Genau für sie war das Wohnen in provisorisch eingerichteten Räumen, wie Dachböden, Kellern oder Pferdeställen, oder ähnliches, mit nichtexistenten hygienischen Vorraussetzungen am Wenigsten erträglich. Alte Menschen aus Deutschland und Österreich hatten zudem keine jüngeren Verwandten oder Bekannte, die sich um sie psychisch als auch physisch hätten kümmern können. Diese Menschen waren auch von einer anderen Erfahrung stigmatisiert. Sie unterschrieben vor ihrer Deportation sogenannte Vereinbarungen über den Kauf von Wohnungen. Ihnen wurde nach der Unterschrift versprochen, sie würden bis zu ihrem Lebensende medizinisch und anderweitig versorgt werden, wobei ihnen die Vereinbarung jeglichen Besitz nahm. Dieser kam in die Hände der SS, und die betrogenen alten Menschen kamen völlig unvorbereitet in die harte Realität des Ghettos Theresienstadt. Die traumatisierten Menschen überstanden nicht lange den Hunger, die Krankheiten und andere Leiden des Lagers. Ihre Sterblichkeitsrate war also besonders hoch. Im Herbst 1942 waren 46-50 % der Inhaftierten über 65 Jahre alt. Dieser Prozentsatz nahm allerdings schnell stark ab, auch aus dem Grund, dass weitere alte Menschen nicht mehr nach Theresienstadt, sondern in die Vernichtungslager im Osten deportiert wurden. Die SS Kommandantur konnte auf diese Weise das Problem der Überbevölkerung der Ghettos sowie Risiken der Infektionskrankheiten mindern. Die Zeit, in der man Theresienstadt als Ghetto für alte bezeichnen konnte, dauerte nur ein halbes Jahr an.

Wenn alte Menschen in Theresienstadt blieben, waren sie eine der ärmsten Gruppierungen im Ghetto, obwohl die jüdische Selbstverwaltung sich bemühte, ihre Situation zu verbessern, indem man Häuser für sie bereitstellte, in denen sie Grundversorgung und andere Hilfsleistungen bekamen.

Moritz Müller: Ruhende alte Frauen

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Das Institut Theresienstädter Initiative Das Jüdische Museum in Prag
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Foundation for holocaust victims Die Investition in die Entwicklung des Bildungswesens
Nux s.r.o.